Feder führend: Outdoor-Spezialist Eddie Bauer im Portrait

Im Jahr 1936 erfand der US-Amerikaner Eddie Bauer die Daunenjacke. Dieses Jahr feiert die 1920 gegründete, gleichnamige Marke Eddie Bauer ihren 100. Geburtstag.

Große Erfindungen entstehen oft aus der Not heraus. Als Eddie Bauer, Inhaber eines Sportgeschäftes in Seattle, mit seiner Wollkleidung 1936 während eines Angelausflugs in einen Eisregen geriet, sog sie sich voll Wasser und gefror. Er unterkühlte stark und wurde bewegungsunfähig. Durch drei Warnschüsse konnte er seinen vorausgeeilten Freund Red alarmieren – und wurde, vollkommen entkräftet, gerettet.

Seine Leidensgeschichte entpuppte sich als Erfindersegen: Eddie Bauer, der 1899 auf den Orcas Islands geboren wurde, suchte daraufhin nach einem Material, das wärmt, leicht ist und schnell trocknet – und stieß auf Daune. Daunen stammen aus dem Untergefieder von Enten oder Gänsen. Sie sind weich und elastisch verästelt, sodass darin Luft gespeichert werden kann. Die zwischen den Verästelungen der Daunen gehaltene Luft bildet eine isolierende Schicht – sehr viel leichter und wärmer als die damals üblichen Wolljacken.

Die typischen rautenförmigen Steppnähte seines ersten Prototyps sorgten dafür, dass sich die Federn gut verteilten. Der Körper wurde atmungsaktiv umhüllt, dennoch war die Jacke weit genug, um einen dicken Pullover darunter tragen zu können. 1940 patentierte der Geschäftsmann die weltweit erste Daunenjacke. »Skyliner« war geboren.

EXPEDITIONSAUSSTATTER
Auf der Basis weiterer Erfindungen, die Eddie Bauer bei seinen zahlreichen Abenteuern in der Natur kamen – er lernte zu fischen und zu jagen, bevor er die Schule besuchte – entstand ein bis heute erfolgreiches Unternehmen für Outdoor-Bekleidung. 1942 wurden ca. 50.000 Fliegerjacken vom U.S. Army Air Corps bei Eddie Bauer in Auftrag gegeben, um Piloten auch in extremer Höhe warm zu halten. 1953 erhielt das Unternehmen das Zertifikat eines Expeditionsausstatters: Renommierte Expeditionen wurden mit Daunenjacken versorgt. Darunter das Team der Himalaya K-2 Expedition im Jahr 1957 und eine internationale Expedition in die Antarktis fünf Jahre später. Am 1. Mai 1963 bestiegen Jim Whittaker und Sherpa Nawang Gombu als erste Amerikaner den Gipfel des Mount Everest, beide waren mit Eddie Bauer-Daunenjacken ausgestattet. Fünf Jahre später, 1968, zog sich Eddie Bauer aus dem aktiven Geschäft des Unternehmens zurück. Er verkaufte seine Anteile an einen Freund und Partner William Niemi. Noch heute werden die einzelnen Produkte in enger Zusammenarbeit mit professionellen Guides und Athleten entwickelt, gestaltet und während Einsätzen in der Natur getestet. Am Ende sollen möglichst langlebige Produkte entstehen. Und das »guaranteed for life«, denn seit 1922 ist eine bedingungslose Rückgabegarantie in den Kundenrechten von Eddie
Bauer festgeschrieben.

LIVE YOUR ADVENTURE
Von Daunenjacken über Schuhe, Zelte und Trekkingrucksäcke bietet das Sortiment heute eine große Spannweite an hochqualitativer, alpiner Ausrüstung. »Live your adventure«, lebe dein Abenteuer, lautet der Slogan der Marke, die es Menschen ermöglichen möchte, Aktivitäten in der Natur nachzugehen. »Seit 1995 ist Eddie Bauer als Onlinehändler auf dem deutschen Markt vertreten«, erklärt Johannes Ruf, International Merchandising Director bei Eddie Bauer, der regelmäßig zwischen dem Headquarter in Bellevue, einer Stadt in Washington östlich von Seattle, und dem deutschen Hauptsitz in Taufkirchen bei München pendelt. Im stationären Einzelhandel ist das Unternehmen in Deutschland aktuell nicht präsent, hat aber von 2017 bis 2019 in Kooperation mit der Globetrotter-Filiale in Köln eine erfolgreiche Testphase mit einem Shop-in-Shop umgesetzt. Durch das positive Feedback der Kunden steht die Präsenz im stationären Einzelhandel weiterhin im Raum, jedoch fokussiert sich das Unternehmen aktuell auf den Online-Vertrieb.
Am Standort in Bellevue schätze Johannes Ruf außerdem die lebensfrohe, offene Mentalität der Stadt, die zahlreichen vorgelagerten Inseln wie Vancouver Island, den Olympic National Forest sowie die Nähe zum Mt. Rainier Nationalpark – alles in allem ein Paradies für Outdoorsportler jeglicher Disziplinen. Im futuristisch anmutenden Headquarter wird Kleidung auf Weltformat getrimmt. Ein Show Room zeigt die Entwicklung der Bekleidung, vom Prototyp der ersten Daunenjacke bis zum Ultraleicht-Modell von heute. »Bei Eddie Bauer interagieren in der Zentrale hunderte Mitarbeiter in einer sehr dynamischen, offenen Weise, egal, in welcher Position sie tätig sind«, sagt Johannes Ruf.

EDDIE BAUER IN DEUTSCHLAND
Nun möchte Eddie Bauer vor allem im deutschsprachigen Raum expandieren. Ganz neu ist eine Baselayer Kollektion, die Merinounterwäsche in unterschiedlichen Ausführungen enthält. Man kann zwischen verschiedenen Wärmegraden der Kleidung (Light-, Mid- und Heavyweight) wählen – abhängig von der Intensität der ausgeübten Sportart und den Außentemperaturen. Die Oberteile bestehen aus einem Mix aus Merinowolle und Synthetikgarn und verfügen über die feuchtigkeitsableitende FreeDry-Technologie. Auch in Sachen Nachhaltigkeit ist Eddie Bauer aktiv. Daunenjacken werden grundsätzlich nur mit RDS zertifizierter Daune gefertigt und Innovationen aus nachhaltigen Materialien wie Seawool-Polyester, eine Faser aus Austernschalen und recycelten Flaschen, starten dieses Jahr. Auch der Trendsport Skibergsteigen ist für Eddie Bauer interessant: »Ideal eignen sich dafür die Evertherm und die BC Alpine Lite-Jacke«, sagt Carolin Brügel, Director of Marketing. Evertherm, eine Daunenjacke und das am häufigsten ausgezeichnete Eddie Bauer-Produkt, isoliert ohne Steppung und weist somit keine Kältebrücken auf. Neben Outdoor-Bekleidung und -ausrüstung produziert Eddie Bauer Lifestyle Kleidung wie Jeans, Blusen und Pullover. Viele dieser Produkte bieten dem Kunden in jeder Situation die Vorteile von Funktionsbekleidung. »Outdoor ist längst im Alltag angekommen«, sagt Johannes Ruf, »die besten Innovationsideen liefert aber nach wie vor die Natur«.

>> Der Beitrag erschien im Magazin trekking, Ausgabe 02/2020. Verlag: MSV Medien Baden-Baden GmbH.

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