Wo der Alpinismus seine Zukunft sucht

Seit mehr als 160 Jahren prägt die heutige Decathlon-Expertenmarke Simond den Alpinismus – und versucht zugleich, ihn neu zu denken. Im französischen Chamonix, dem weltberühmten Mekka des Bergsports am Fuß des Mont Blanc, entstehen ultraleichte Ausrüstung, modulare Klettergeräte und minimalistische Zelte, getestet unter Extrembedingungen von Bergsteigern wie Nicolas Jean und Benjamin Védrines. Zwischen Tradition, Langlebigkeit und Hightech zeigt sich, wie eine etablierte Marke auf die Herausforderungen moderner Berge reagiert.

Die Berge verändern sich. Gletscher ziehen sich zurück, klassische Routen verlieren ihre Stabilität, Wetterfenster werden kürzer und unberechenbarer. Der Alpinismus, einst Sinnbild für Eroberung und Fortschritt, steht vor der Frage, wie er unter diesen Bedingungen weiterbestehen kann. In Chamonix, am Fuß des Mont Blanc, sucht ein Unternehmen nach Antworten, die über neue Produkte hinausgehen. Simond wird hier 1860 gegründet, als Bergsteigen noch ein Experiment ist und die Ausrüstung oft improvisiert wird. Mehr als 160 Jahre später produziert die Marke noch immer am Ursprungsort – eine Seltenheit in einer globalisierten Outdoorbranche. Die Werkhallen liegen nur wenige Kilometer von Fels- und Eisflanken entfernt, an denen die Geräte später eingesetzt werden. Die Geschichte von Simond ist eng mit der Geschichte des Alpinismus verknüpft. Mit Ausrüstung aus Chamonix werden Expeditionen bestritten, die in die Annalen eingehen: die Erstbesteigung des Annapurna 1950, jene des Mount Everest 1953. Der »Spécial A«-Eispickel, heute ein Sammlerstück, steht für eine Zeit, in der Fortschritt schwer war und aus Stahl bestand. Seit 2008 gehört Simond zur Decathlon-Gruppe, entwickelt seine Produkte jedoch weiterhin eigenständig am Mont Blanc.

Performance by fair means

Heute steht weniger die Frage im Raum, wie man höher kommt, sondern wie man verantwortungsvoll unterwegs ist. Der Rückzug der Gletscher verändert Routen, klassische Sicherungspunkte verschwinden. Gleichzeitig sind Bergsportlerinnen und Bergsportler vielseitiger unterwegs: Klettern, Skitouren, Hochtouren und Trekking gehen ineinander über. Simond reagiert darauf mit einer strategischen Neujustierung. Produkte sollen leichter, vielseitiger und langlebiger werden – reparierbar statt kurzlebig, funktional statt spezialisiert. Intern fasst man diesen Ansatz nüchtern zusammen: »Performance by fair means«.

Produktneuheiten 2026

Auch im Erscheinungsbild zeigt sich die Zurückhaltung. Weniger Pathos, klare Farben, reduzierte Formen. Der Anspruch wird greifbarer bei den Produkten selbst. Für 2026 stehen mehrere Neuheiten an, die diese Philosophie widerspiegeln: der »Woma Ice Axe«, ein ultraleichter Eispickel für Skitouren und klassischen Alpinismus mit nur 250 bis 280 Gramm Gewicht, modularem Aufbau und ergonomischem Griff; das »Sprint Tarp Tent«, ein minimalistisches Dyneema-Zelt für zwei Personen, das lediglich 510 Gramm wiegt, dabei aber hohe Reißfestigkeit und Windstabilität bis 70 km/h bietet; und der »Edge«-Kletterschuh, der 2027 erscheint – entwickelt für Präzision auf kleinen Tritten, wiederbesohlbar und mit Vibram-XS-Grip-Sohle ausgestattet. Alle drei Produkte verbinden leichte Konstruktion, Flexibilität und Langlebigkeit – Kernpunkte der aktuellen Strategie.

>> Der komplette Beitrag ist in trekking, Ausgabe 2/2026, zu lesen.

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