Blaufußtölpel: Wenn blaue Füße um die Liebe werben

Bei den Blaufußtölpeln entscheidet offenbar die Farbe der Füße über den Erfolg bei der Partnersuche. Je intensiver das Blau, desto attraktiver wirkt das Männchen auf die Weibchen. Doch hinter dem ungewöhnlichen Balzsignal steckt mehr als nur Schönheit: Die leuchtende Farbe verrät auch, wie gut ein Vogel genährt ist. Wer bei der Partnersuche Eindruck machen will, setzt normalerweise auf Gefieder, Gesang oder spektakuläre Tänze. Der Blaufußtölpel hat dafür ein ganz anderes Mittel: seine Füße. Die auffallend türkisblauen Schwimmhäute sind sein wohl ungewöhnlichstes Schönheitsmerkmal – und spielen bei der Balz eine entscheidende Rolle. Blaufußtölpel sind Meeresvögel, ungefähr so groß wie Gänse. Sie leben vor allem auf den Galapagos-Inseln sowie an den Küsten von Mexiko, Peru und Ecuador. Unübersehbar sind ihre leuchtend blauen Füße, die nicht nur bei Menschen für Aufmerksamkeit sorgen: Auch die Weibchen der Art finden sie offenbar ausgesprochen attraktiv.

Ein außergewöhnliches Farbspiel

Doch woher kommt das intensive Blau? Wissenschaftler der Universität Kansas haben herausgefunden, dass sich in den Schwimmhäuten der Blaufußtölpel eine besondere Schicht aus faserigen Eiweißen befindet. Sie sorgt dafür, dass vor allem blaues Licht reflektiert wird. Ein solches Phänomen ist im Tierreich keineswegs einzigartig, aber selten: Nach Einschätzungen von Forschern, die im Journal of Experimental Biology veröffentlicht wurden, kommt diese Form der Färbung bei etwa 2,5 Prozent der Vogelarten vor. Je nach Art schimmern die entsprechenden Körperpartien blau oder grün. Beim Blaufußtölpel kommt allerdings noch ein weiterer Farbstoff ins Spiel: Carotinoide. Diese gelben Pigmente kennt man auch aus Karotten. In der Fußhaut des Vogels treffen sie auf die blaue Lichtreflexion – und lassen die Füße in einem besonders intensiven Türkisblau leuchten.

Fisch macht die Füße blau

Wie kräftig dieses Blau tatsächlich strahlt, hängt entscheidend von der Ernährung ab. Blaufußtölpel ernähren sich von verschiedenen Fischarten, die reich an Carotinoiden sind. Die Farbe ihrer Füße wird damit gewissermaßen zum sichtbaren Ernährungsnachweis. Schon ein kurzer Nahrungsentzug kann das Erscheinungsbild verändern. Wenn ein Blaufußtölpel etwa zwei Tage lang nichts frisst, werden seine Füße deutlich blasser. Bekommt der Vogel anschließend wieder Fisch, kehrt auch die intensive türkisblaue Färbung zurück. Für die Partnersuche ist das entscheidend.

Der Fuß als Liebesbotschaft

Während der Balz präsentieren die Männchen ihre auffälligen Füße mit großem Einsatz. Sie tanzen vor dem Weibchen, stoßen Pfeif- und Huptöne aus und bringen ihm immer wieder Nistmaterial. Doch bei all diesen Werbungsversuchen steht ein Körperteil besonders im Mittelpunkt: die Füße. Bei der Balz setzt das Männchen vor allem auf die leuchtend blaue Farbe seiner Füße. Und präsentiert sie dem Weibchen deshalb immer wieder und wieder. Die Weibchen scheinen dabei durchaus wählerisch zu sein. Untersuchungen spanischer und mexikanischer Forscher zeigen, dass sie Männchen mit besonders intensiv blauen Füßen bevorzugen. Die Farbe könnte dabei als eine Art biologisches Qualitätssignal dienen. Denn ein kräftiges Blau setzt eine gute Ernährung voraus – und damit offenbar auch einen erfolgreichen Fischjäger. Wer regelmäßig ausreichend Nahrung findet, kann seine Füße in voller Farbpracht präsentieren. Für das Weibchen könnte das ein Hinweis darauf sein, dass der Bewerber gesund und gut ernährt ist und möglicherweise günstige Voraussetzungen an seinen Nachwuchs weitergibt.

Wenn die Farbe plötzlich verblasst

Wie genau die Weibchen auf Veränderungen reagieren, haben Forscher in einem bemerkenswerten Experiment untersucht. Dafür veränderten sie die Farbe der Füße männlicher Blaufußtölpel künstlich und färbten sie gräulich – und zwar nachdem das Weibchen bereits das erste Ei gelegt hatte. Die Reaktion folgte prompt: Das zweite Ei fiel deutlich kleiner aus. Die Forscher vermuten, dass das Weibchen die verblasste Fußfarbe als Signal für eine schlechtere körperliche Verfassung des Männchens interpretiert. Wenn der Partner plötzlich weniger gesund und leistungsfähig erscheint, könnte es sich lohnen, weniger Energie in ein zweites Ei zu investieren und stattdessen die Aufzucht des bereits vorhandenen Nachwuchses zu sichern. So wird aus einem scheinbar kuriosen Schönheitsmerkmal ein erstaunlich präzises Kommunikationsmittel. Beim Blaufußtölpel erzählen die Füße gewissermaßen eine Geschichte: über Nahrung, Gesundheit und die Chancen, gemeinsam erfolgreich Nachwuchs großzuziehen. Und während das Männchen vor seiner Angebeteten elegant einen Fuß nach dem anderen hebt, geht es damit um weit mehr als einen hübschen Tanz. Das leuchtende Blau ist seine ganz persönliche Visitenkarte – und möglicherweise seine wichtigste Bewerbung um die Vaterschaft.

Bilder: Katharina Baus und Daniel Wolbert. Mancora/Ecuador.

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