Surfen in Santander. Warum wir am Atlantik auf die perfekte Welle warten

 

Spanien SantanderMatthias, ein Freund aus meiner Studentenzeit, legt seine Füße auf das Armaturenbrett und starrt auf die hinabperlenden Regentropfen an der Windschutzscheibe und den dahinterliegenden Ozean. Liesa, Christina und Jana essen Brötchen mit Nutella. Worauf wir hier in Santander, an der Atlantikküste in Spanien, genau warten, wissen wir nicht. Es hat den ganzen Tag Regen gemeldet. Das Meer hat in etwa so viele Wellen wie das Freischwimmerbecken in Trier, der Stadt, von der aus wir gestartet sind, um zwei Wochen zu surfen.

Surfen statt Sonnenbaden oder Sightseeing. Ich schaue aufs Meer und philosophiere, weshalb Surfen so eine Faszination auf einen ausübt. Surfurlaub produziert nicht gerade das gängige Bild eines gelungenen Urlaubs. Die besten Wellen entstehen in den frühen Morgenstunden (Matthias und Christinas Wecker piept um halb sechs). Selbst trainierte Menschen erleben nach den ersten Stunden einen horrenden Muskelkater und wer schon mal in eine hohe Welle geraten ist, weiß, wie schnell man in Panik geraten kann.

Also: Warum tun wir und so viele andere sich das an? Ein Argument fällt mir sofort ein. Im Wasser fühlen sich vor allem erfahrene Surfer oft am freisten. Die Erfahrung von Freiheit ist ohne große Mühen zu erreichen. Da ist vor allem die Reduziertheit. Die Welt des Surfes ist sehr viel einfacher als die, die uns im Alltag umgibt. Oder, um es genauer zu sagen, beim Surfen sind die relevanten Aspekte der Welt, mit denen man sich auseinandersetzt, deutlich reduziert. Die Ziele des Surfens sind klar und unmittelbar, alle Ablenkungen sind auf ein Mindestmaß reduziert. Während wir sonst mit Langzeitplänen hantieren, mit finanziellen Fragen, Beziehungen und Jobs, spielt beim Surfen nichts davon eine wirkliche Rolle.

Viel mehr geht es um einen selbst, das Brett und das Meer. Minimalismus in der Natur sozusagen. Spannend wird es, wenn man einige Sekunden unter Wasser gedrückt wird und nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Oder wenn die perfekte Welle neben einem vorbeirollt. Dazwischen erlebt man die Momente des puren Glücks, wenn alles klappt.

Für diese Momente sind wir hier. Die schmerzenden Muskeln, das Paddeln bis zur Erschöpfung, das Salzwasser, was man ständig schluckt und die viel zu langen Momente unter Wasser, wenn die Welle einen wie eine Waschmaschine durchstrudelt. Hoffen wir mal, dass sie bald zurückkommen, die Wellen hier in Santander.

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