Deutschland wilder Westen: Highlights zwischen Rhein, Mosel und Eifel

In Deutschland gibt es viel zu entdecken: Nur eine Stunde Autofahrt südwestlich von Köln bietet der Landkreis Mayen-Koblenz wilde und ungelenkte Natur zwischen Rhein, Mosel und Eifel – garniert mit dem höchsten Kaltwassergeysir der Welt, einer der besterhaltenen Burgen Deutschlands und einer rekordträchtigen Bierbrauerei.

DER WELTWEIT HÖCHSTE KALTWASSERGEYSIR IN ANDERNACH

Rund 140.000 Touristen bestaunen jedes Jahr den höchsten Kaltwassergeysir der Erde auf dem Namedyer Werth bei Andernach, einer Halbinsel im Rhein. Bis zu 60 Meter hoch ist die Fontäne, die alle zwei Stunden in die Luft schießt. In einem rund 350 Meter tiefen Bohrloch sammelt sich Wasser, das mit Kohlendioxid vulkanischen Ursprungs angereichert ist. Das Gas steigt auf, verdrängt das Wasser und reißt es anschließend mit sich in die Höhe. Der Brunnen entleert sich, eine Fontäne spritzt nach oben – und der Kreislauf beginnt von vorne. Nachts legt der Geysir eine Pause ein und wird aus Sicherheitsgründen mit einem Schieber verschlossen. Rund hundert Jahre ist es her, als Andernacher im stillgelegten Rheinarm des Namedyer Werths aus einem unterirdischen Magmaherd aufsteigende Gasblasen entdeckten. Nach einer Bohrung stieg die Fontäne in regelmäßigen Abständen in die Höhe. Einige Jahre später, 1957 beim Bau der nahegelegenen Bundesstraße 9, wurde der Geysir verschüttet, bis man ihn im Jahr 2001 wiederbelebte. Die Eifel blickt auf eine geologisch bewegte Zeit zurück: Vor rund 10.000 Jahren brachen die letzten Vulkane aus. Die Krater sind an vielen Stellen noch sichtbar, nach wie vor treten Gase aus. Wer mehr über die vulkanische Aktivität der Region erfahren möchte, besucht das Geysir-Zentrum Andernach. Von dort geht es mit dem Schiff zum Geysir – rechtzeitig zur Fontäne. In den Sommermonaten sind die Tickets schnell ausverkauft, eine Reservierung ist empfehlenswert.

AUF DEM »ELTZER BURGPANORAMA« ZUR BURG ELTZ

Die Burg Eltz aus dem 12. Jahrhundert ist eine der bekanntesten und besterhaltenen Burgen Deutschlands. Unverkennbar thront sie auf einem Felsen über einem Seitental der Mosel, rund 30 Kilometer südwestlich von Koblenz und ca. 60 Kilometer südlich von Bonn, in strategisch günstiger Lage: Die Burg wurde an einen Weg gebaut, der die Mosel – eine der wichtigsten Handelsstraßen des Deutschen Reiches – mit der Eifel verband. Seit mehr als 800 Jahren befindet sich die Burg Eltz im Besitz der gleichnamigen Familie. Burgherr in der 33. Generation ist Karl Graf zu Eltz, der aber nicht mehr das ganze Jahr auf der Burg wohnt. Auch spannend: Zwischen 1961 und 1995 zierte die Burg Eltz den 500-DM-Schein. Wanderer entdecken auf dem Traumpfad »Eltzer Burgpanorama« die schönsten Ecken der Region: Die knapp 13 Kilometer lange Wanderung führt von der Hochfläche des Moselplateaus durch stille Auenlandschaften zur Burg Eltz. Die Wanderung beginnt in Wierschem am Dorfgemeinschaftshaus. Zunächst führt ein gut begehbarer Feldweg über die Anhöhe des Moselplateaus in Richtung Keldung. Ein Aussichtspunkt mit Blicken zur Burg Pyrmont lädt zur Rast ein. Ein Pfad, der sich durch einen Mischwald schlängelt, leitet ins Elzbachtal hinab. Durch den Gräfisch Eltzchen Wald wandert man an schroff aufragenden Schieferplatten vorbei und überquert eine steinerne Brücke über dem Elzbach. Auf der rechten Seite erhebt sich die Burg Eltz auf einem ca. 70 Meter hohen Felsen. Mit ihren zahlreichen Türmen und der verschachtelten Fassade erinnert sie an den Prototyp eines Playmobilbausatzes. Folgt man dem Verlauf des Elzbaches, erreicht man nach ca. einer halben Stunde die Ringelsteiner Mühle, die heute ein Hotel beherbergt. Nach dem Tholeisterhof folgt ein kurzer, jedoch recht harmloser Anstieg in das Tal des Kerner Bachs. Durch dichten Wald und über Wiesen erreicht man anschließend den Ausgangspunkt in Wierschem.

VULKANISMUS IN DER EIFEL

In Deutschland gibt es zwar keine aktiven Vulkane oder Lavaströme mehr, doch ihre zahlreichen Relikte prägen bis heute die Landschaft der Eifel, dem rund 5.000 Quadratkilometer großen linksrheinischen Teil des Rheinischen Schiefergebirges zwischen Kölner Bucht und Mosel. Wer sich für die Geologie der Region interessiert, entdeckt auf der Deutschen Vulkanstraße auf einer Länge von rund 280 Kilometern Geysire, Krater und Schlackenkegel. Die Tour beginnt am Laacher See, einem wassergefüllten Krater. Der Lava-Dome in Mendig, ein Vulkanmuseum für alle Altersgruppen, erklärt Gästen auf einer Ausstellungsfläche von ca. 700 Quadratmetern die Welt der Vulkane. Wer sich nach weiteren Informationen sehnt, erkundet auf der »Mendiger Museumsmeile« die Museumslay und den Lavakeller: Erstere ist ein Freilichtmuseum, das die Mendiger Steinmetztradition veranschaulicht. Am Eingang erwartet Besucher ein Göpelwerk, ein originalgetreuer Nachbau der in früheren Zeiten verwendeten Winden, mit der die Mendiger Basaltsteine aus den Felsenkellern ans Tageslicht gefördert wurden.
Im Biergarten der Mendiger Vulkanbrauerei lässt sich der Abend gebührend ausklingen: 2019 gewann das Traditionsunternehmen mit dem tiefsten Lager- und Gärkeller der Welt den World Beer Award in der Kategorie »Bourbon Barrel Doppelbock«, und erhielt in weiteren Kategorien dreimal Bronze und zweimal Silber. Wer an einer der einstündigen Führungen durch den heimischen Bierkeller teilnimmt, taucht über 153 Stufen etwa 30 Meter in die Tiefe ab, und erfährt anschließend einiges über die Herstellung und Lagerung von Bier und die geologischen Besonderheiten der Region (Preis für die Führung: 9 Euro pro Person).

>> Der Beitrag über die Region Rhein, Mosel, Eifel erschien im Magazin Camping & Reise, Ausgabe 01/2020, S. 74-77. Verlag: MSV Medien Baden-Baden GmbH.

 

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