Ab durch die Mitte. Kursleiterin Beate im Portrait.

Die tiefstehende Sonne schickt ihre Strahlen über die Wasseroberfläche des Altrheins, die einen Tanz zwischen blendend weiß und orangerot veranstalten. Bunte Segelboote klappern sanft schaukelnd aneinander. Es ist früher Abend. Hier, etwa 20 Kilometer westlich von Freiburg, an einem Seitenarms des Rheins, befindet das Lieblingsareal von Beate Bischoff.

Nach ihrem Umzug in den Breisgau erfüllte sich die Arzthelferin aus Kaiserslautern den Kindheitstraum eines eigenen Segelbootes und machte sich gleichzeitig auch beruflich auf die Suche nach neuen Horizonten. So richtig in Schwung kommt Beate erst, wenn sie an neuen Projekten tüftelt. Und das geht auf dem Gelände des Segelclubs SC Nautic Breisach besonders gut.

Ich muss dich enttäuschen. Wir machen heute keinen Segeltörn“, sagt sie, nachdem ich das Deck des Bootes inspiziere, und dass es nicht am fehlenden Wind, sondern an dem zu niedrigen Pegel des Altrheins läge. „Das Boot hat einen Hilfsmotor, den braucht man, um den Hafen zu verlassen. Allerdings ist das Wasser momentan wegen der offenen Schleuse Vogelsgrün am Rhein nur etwa einen Meter tief, das reicht nicht“, erklärt sie.

Kein Problem, die Alternative liegt parat. Wir schnappen uns ein Kanu. Markus, ein Bekannter von ihr, schließt sich uns an und paddelt in seinem Kajak neben uns her. Das Wasser des Altrheins fließt in einer meditativen Geschwindigkeit Richtung Norden. Wir schippern in Fließrichtung an Buchen und Birken vorbei. Handtellergroße Kieselsteine leuchten durch die glitzernde Wasseroberfläche zu uns durch. „In der Natur zu sein ist meine Leidenschaft. Das ist auf einmal ein völlig anderes Leben“, sagt Beate. Noch als sie bis vor acht Jahren als Arzthelferin in Kaiserslautern arbeitete, fuhr sie im Winter jedes Wochenende zum Langlaufen an den Feldberg, dem höchsten Berg im Schwarzwald.

Der Gegend rund um Freiburg bin ich schon lange verfallen. Der Schwarzwald, die vielen Seen, jede Menge Möglichkeiten zum Wintersport. Ich habe früher Leichtathletik als Leistungssport betrieben, Malerei- und Töpferkurse gegeben und war viel auf Kunsthandwerkermärkten und Wettkämpfen unterwegs. Die Verbundenheit mit der Region war bereits da, was fehlte, war die berufliche Unabhängigkeit.“

Beate zog nach der Trennung von ihrem Mann kurzerhand in die Nähe von Freiburg, reduzierte ihre Arbeitszeit als Arzthelferin und erfüllte sich den Traum als selbstständige Anbieterin für Yoga-, Malerei-, Langlaufkurse und Kanutouren.

Als ich sie frage, wie sie ausgerechnet zum Yoga kam, hält sie kurz inne: „Ich habe seit meiner Kindheit Skoliose, eine Wirbelsäulenverkrümmung. Schon nach dem ersten Yogakurs besserten sich die Beschwerden, was ich zum Anlass nahm, in Nürnberg eine Ausbildung zur Yogalehrerin zu machen. Ich unterrichte Hatha und Vinyasa Power Yoga mit Schwerpunkt auf Rückenprobleme, was gut angenommen wird. Und auch mich zu einhundert Prozent erfüllt.“

Wir paddeln weiter flussabwärts. Schwäne und Nilgänse ziehen am Ufer vorbei. Außer uns ist niemand unterwegs, mit dem Gluckern des Wassers bewegen wir uns in einem Szenario, was an skandinavische Seenlandschaften erinnert.

Wir folgen Markus Boot, steuern nach circa einer Stunde den Hafen mit den vielen bunten, nebeneinanderliegenden Segelbooten an und zerren die Boote wieder an Land. Markus legt Holz auf einen kleinen Grill neben Beates Wohnwagen, in dem sie ab und an übernachtet. Neben der Terrasse steht eine Zielscheibe zum Bogenschießen auf einem Dreibein aus Bambus. „Bogenschießen hat etwas Meditatives“, sagt Beate und dass es ebenso eines ihrer zahlreichen Interessen sei. „Im Sommer bieten wir Kanutouren und Bogenschießen auf dem Gelände zwischen Griesheim und Karpfenhod an.“ Als Nächstes sei eine Kombination aus Segeltouren und Yoga in der Natur geplant. „Ich bin jetzt 57 Jahre alt. Aber Alter hat keine Grenzen. Es gibt noch viel zu erleben.“ Wir stoßen mit Sekt auf unsere Ausfahrt auf dem Altrhein an, essen gerillte Maiskolben mit Tomaten und Mozzarella und spazieren anschließend noch einmal mit Pfeil und Bogen zum Rhein. Zack – mein erster Versuch landet im Gestrüpp. Den Carbon-Pfeil finden wir nicht mehr. Gut, dass Beate mir bald einen Kurs geben wird. Im Bogenschießen und vielleicht auch mal im Segeln. Es gibt noch viel zu erleben.

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